Für Rückfragen sind wir gerne erreichbar: contact@justanotherdayinparadise.de

Die Filmemacherinnen

Wie sind Sie auf die Idee gekommen einen Film auf den Kapverden zu machen?

 

LS: Die Idee auf die Kapverden zu reisen kam von meinem Vater. Für ihn war Fogo ein besonderer Ort, den Maya und ich unbedingt besuchen sollten. Als Maya und ich dann auf Fogo ankamen, wussten wir, dies ist wirklich ein besonderer Ort und es warten Geschichten auf uns, die es zu erzählen gibt. Wir blieben drei Wochen und in dieser Zeit lernten wir unsere Protagonisten, den Vulkan und die Insel kennen. Nach unserer Rückkehr ging alles sehr schnell. Mit unserem Film-Konzept konnten wir den Filmfernsehfonds Bayern begeistern, der von Anfang an uns unterstützt hat. Und so begannen acht Monate nach unserem ersten Aufenthalt die Dreharbeiten zu JUST ANOTHER DAY IN PARADISE auf Fogo.

 

MR: Auf diese besondere Insel Fogo – überhaupt auf die Kapverden - bin ich tatsächlich durch die Produzentin Lucia Scharbatke gekommen. Dieser Ort ist tatsächlich eine Art schwarzes Paradies – westlich von Afrika gelegen. Das Leben auf einem Vulkan so nah an Afrika, ein Ort an dem man der Erde die Früchte und das Gemüse abringt und an dem die Menschen draußen in den Pfützen tanzen, wenn es dann endlich einmal regnet – das hat mich fasziniert.

 

Wir haben auf einer Recherchereise dann den dänischen Ex-Bodybuilder Vincent kennengelernt, der dort seit 20 Jahren mit seiner kapverdischen Ehefrau Luisa lebt, die ihm über die Folgen seines Posttraumatischen Belastungssyndrom hinweg helfen konnte – er hat drei Kinder mit ihr.

Der deutsche Rentner und Ex-Workaholic Ralf lebt seit seinen Herzinfarkten auf der Insel und hat den Traum einen botanischen Garten mit einheimischen Pflanzen  anzulegen – auf Fogo. Und was uns besonders faszinierte: Das im ehemaligen Krater des Vulkans lebende Dorf, in dem 1700 Menschen ohne Strom und fließend Wasser aber mit iPads und großer Offenheit für Reisende leben. Hier haben wir Alcindo und seine Mutter kennengelernt und die schöne Französin Leticia, die sich gerade erst entschieden hatte für immer ins Vulkandorf zu ziehen.
Ich habe selbst einmal den Traum gehabt auszuwandern, vor 20 Jahren – und die große Erfahrung dabei war: Man nimmt sich selbst immer mit. Sich selbst und seine Päckchen, die das Leben einem mitgibt.

Dieser Film ist das Portrait von drei besonderen Menschen und deren Leben auf der Vulkaninsel Fogo – und dann bricht der Vulkan aus...

 

 

War es schwierig diese Produktion umzusetzen in einem fremden Land, in dem man die Sprache nicht kennt?

 

LS: Die Produktion war natürlich eine große Herausforderung.  Zum Glück spricht Maya Reichert, die Regisseurin, fließend Englisch, Französisch und Spanisch, so dass wir unserer Interviews beim Dreh ohne Dolmetscher führen konnten. Hierdurch konnte auch die besondere Nähe und Vertrautheit zu den Protagonisten geschaffen werden. Wenn man offen auf Menschen zu geht, versteht man sich trotz Sprachbarriere auch mit Händen und Füßen. Wir hatten immer die Unterstützung der Inselbewohner und dies war ein besonderes Geschenk.

MR: Auf den Kapverden sprechen die Menschen Kreol, eine Sprache, die keine Schriftsprache ist. Sie ist relativ einfach gehalten und mit ein bisschen Sprachgeschick, schafft man es Sätze zu verstehen und sich zu verständigen. Und wenn es etwas besonderes zu organisieren gab, die Dreharbeiten im dortigen Krankenhaus oderunser Besuch einer Party am Vulkanwand, dann hatten wir Helga, eine ausgewanderte Deutsche, die auf der Insel auch Touren führt und fließend Kreol spricht. Das war schon hilfreich! Die Amtssprache ist übrigens Portugiesisch, das lernen alle. Und natürlich gibt es auch einige Menschen die Englisch und Französisch können.

 

Eine besondere Herausforderung für die Produzentin war die Anreise zur Insel als der Vulkan schon ausgebrochen war. Wir haben durch unsere dort geschlossenen Freundschaften quasi live erfahren als der Vulkan explodierte. Die Medien haben sich seinerzeit überhaupt nicht dafür interessiert. Wir haben noch am selben Tag entschieden, dass wir sofort wieder hinfliegen. Doch bis wir dann wirklich auf der Insel Fogo ankamen, das war eine Odysee.

 

 

Wie war es auf einem ausbrechenden Vulkan zu filmen? Waren Sie wirklich alle ganz nah dran? Was haben Sie da erlebt?

 

LS: Als Produzentin war ich ehrlich gesagt zwiegespalten. Ich wusste, dass wir es unseren Protagonisten schuldig sind diesen Moment ihres Lebens fest zu halten. Aber natürlich habe ich auch die Verantwortung für das Team und deren Sicherheit und Gesundheit. Für mich waren es daher Tage der absoluten Anspannung und Konzentration, so dass ich die Tage während des Ausbruchs erst später in Deutschland für mich verarbeiten konnte.  Der Ausbruch selbst - man hat die Urkraft der Natur gespürt und gefühlt, wie machtlos man ihr auch gegenübersteht.  Und wir standen ihr sehr nah gegenüber. Wenn ich mir den Film nun im Kino ansehe denke ich mir oft, wir waren definitiv zu nah dran. Besonders beeindruckt hat mich die Würde und stolze Trauer der Bewohner des Kraters. Niemand war wütend über den Vulkan. Für sie war und ist er ihr „Grande nuestro senor“ – und das ist er auch für unser Team.

 

MR: Es ist schwer dabei zuzusehen, wie die Menschen ihr gesamtes Hab und Gut evakuieren müssen und im Begriff sind ihre Häuser zu verlieren. Häuser, die sie mit den eigenen Händen gebaut haben, in denen sie uns und viele Gäste beherbergt haben und in denen sie geboren und aufgewachsen sind. Und wir stehen mit der Kamera daneben und filmen die Naturkatastrophe. Marcus Winterbauer, der Kameramann, hat zwischendrin alles weggelegt und mit angepackt – und war uns aber doch klar, dass unsere Aufgabe das Festhalten des Moments ist.
So nah neben der rot fließenden Lava zu stehen, das Dauergrollen des Vulkans zu hören und dabei die Erschütterung der Erde unter den Füssen zu spüren – das wird mich niemals mehr loslassen.

 

 

Wie geht es den Protagonisten heute? Haben Sie noch Kontakt?


MR: Im Moment geht es all unseren Protagonisten sehr gut. Alcindo und Laeticia sind ein glückliches Paar und leben mittlerweile wieder im Krater des Vulkans. Sie haben ein neues Gästehaus gebaut, das noch schöner ist als das damalige – mit einem einmaligen Blick über das erkaltete Lavameer. Man kann dort wunderbar während seines Aufenthalts in der Cha das Caldeiras übernachten. Alcindo war im August auch in Deutschland und hat seinen Sohn besucht.

 

LS: Vincent und Luisa sind weiterhin aktiv und erfolgreich im Tourismus. Nach dem Ausbruch blieben für einige Zeit die Touristen der Insel fern. Aber auch diese Krise haben sie gemeistert, ja sogar erfolgreich eine weitere Pension eröffnet im Fischerdorf am Fuße des Vulkans, in Sao Filipe. Der Sohn Erik ist mittlerweile zwei Köpfe größer als sein Vater und spielt professionell Basketball. Auf dem Grundstück wo Vincent seine Obstbäume hat, gibt es allerdings immer wieder Problemen mit der Wasserzufuhr. Da konnte selbst der Anwalt bis jetzt noch nichts dran ändern.

 

Ralph und Ella sind getrennt. Das erste Mal, dass sie offen darüber sprechen, dass es Probleme gibt, war tatsächlich vor unserer Kamera und dieser Moment ist auch im Film. Ella ist mittlerweile wieder im grünen Rumänien und genießt die saftige Natur. Sie war nicht warm geworden mit der kargen Insel. Und Ralph hat seinen Garten weiter ausgebaut, dieses Jahr war dieser auch wieder grün und blühte wunderbar.


MR: Und Ralf ist tatsächlich neu verliebt – in die Tochter der Nachbarin, deren Hühner so gerne an seinen Pflanzen pickten. Sie unterstützt ihn bei der Umsetzung seines Traum des kreolischen Pflanzengartens, für den er jetzt sogar ein Crowdfunding aufgesetzt hat. Sie gießt und kümmert sich, wenn er Wandertouren mit Touristen deutscher Bildungsreiseanbieter über die Inseln führt.

 

 

Wie kam es zur zusätzlich existierenden Fotoausstellung? Wer hat diese gemacht?

 

LS: Tom Gonsior, ein Fotograf aus München, hat auf der Geburtstagsfeier einer gemeinsamen Freundin quasi „live“ erlebt, wie ich diese überstürzt verlassen habe mit den Worten, dass der Vulkan ausbrechen wird und ich ganz dringend nach Fogo muss. Ein Jahr nach dem Ausbruch hat er sich dann selbst auf den Weg nach Fogo gemacht und wir haben unsere Protagonisten und ihn in Kontakt gebracht. Er hat uns von dieser Reise großformatige Bilder mitgebracht, die gemeinsam mit dem Film ein einzigartiges Zeitdokument sind.

 

 

Ihre Filmpremiere lief auf dem DOK.fest München – wie wurde der Film aufgenommen?

 

LS: Die Uraufführung des eigenen Films auf dem größten deutschen Dokumentarfilmfestival erleben zu dürfen – allein das ist schon eine große Ehre und Freude. Als wir dann auch noch ausverkaufte Vorstellung mit tollen Feedback des Publikums hatten, Tagestipp der Süddeutschen Zeitung und einer der Publikumslieblinge des Festivals wurden – das war unglaublich toll für unser Team. Zu sehen, zu hören und zu fühlen, dass unser Film Menschen berührt … Und nun dürfen wir dies mit noch mehr Menschen auf der DOK.tour in Bayern erleben – darauf freuen wir uns unglaublich! -

 

Haben die Protagonisten den Film schon gesehen?

 

MR: Wir haben unseren Protagonisten natürlich vor der ersten öffentlichen Vorführung den Film gezeigt. Gerne hätten wir diesen mit ihnen gemeinsam gesehen und auch die Uraufführung in München gefeiert. Leider konnten sie nicht nach Deutschland kommen. Wir hoffen, dass wir es schaffen eine kleine Premiere auf Fogo noch mit ihnen feiern zu können. Die Hauswand, die dafür weiß gestrichen werden soll – es gibt leider kein Kino mehr auf der Insel – kennen wir auch schon.